Bund beschließt finanzielle Unterstützung für Zivilgesellschaft

Der Deutsche Bundestag hat heute im Rahmen des zweiten Nachtragshaushalts 2020 Unterstützung für den gemeinnützigen Schüleraustausch beschlossen. Diese Hilfe ist notwendig, um den Organisationen bei der Bewältigung der Corona-Krise zu helfen und deren Fortbestand auch nach der Corona-Pandemie zu sichern.

Der Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch (AJA) begrüßt, dass im heute verabschiedeten Nachtragshaushalt der besonderen Situation von gemeinnützigen Schüleraustauschorganisationen Rechnung getragen wurde. Als wichtige Säule der Zivilgesellschaft mit über 10.000 ehrenamtlich Aktiven leisten die AJA-Organisationen mit ihren Austauschprogrammen in Deutschland und in über 50 Ländern weltweit einen essentiellen Beitrag zur internationalen Verständigung.

Die im AJA zusammengeschlossenen gemeinnützigen Schüleraustauschorganisationen wurden von der Corona-Pandemie im Kern ihrer Arbeit getroffen: Aufwendige Rückholaktionen von ca. 4000 Schülerinnen und Schüler aus über 50 Ländern weltweit, der Wegfall von Veranstaltungen und immense Stornokosten haben große finanzielle Schäden bei den AJA-Mitgliedern verursacht. Auch für das kommende Austauschjahr 2020/2021 zeichnet sich ab, dass es durch die aktuelle Corona-Pandemie einen erheblichen Rückgang von Austauschprogrammen weltweit und in Deutschland geben wird. Ohne eine finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite hätte der gemeinnützige Schüleraustausch die Corona-Pandemie nicht überstanden, zumal die bislang zur Verfügung stehenden Förderinstrumente von Bund und Ländern für gemeinnützige Organisationen nur begrenzt geeignet und zugänglich sind.

Anna Wasielewski und Dr. Uta Wildfeuer, Geschäftsführung des AJA: „Wir freuen uns über den heutigen Beschluss des Bundestages, den gemeinnützigen internationalen Schüleraustausch finanziell zu unterstützen. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass die Bundesregierung die Bedeutung der Arbeit der gemeinnützigen AJA-Mitgliedsorganisationen als Beitrag zur interkulturellen Verständigung und als Teil einer engagierten Zivilgesellschaft anerkennt. Unser Dank gilt den Unterstützer*innen im Parlament, die sich über Fraktionsgrenzen hinweg für den Erhalt des gemeinnützigen Schüleraustauschs eingesetzt haben. Ein besonderer Dank geht an all die Ehrenamtlichen der AJA-Organisationen, die uns in den vergangenen Monaten so tatkräftig unterstützt haben.“  

Pressekontakt: Anna Wasielewski, Geschäftsführerin, Gormannstr. 14, 10119 Berlin, Telefon: 030 33309875, Email: anna.wasielewski@aja-org.de

Bundestagsantrag – Unterstützung für den Schüleraustausch

Die gemeinnützigen Schüleraustauschorganisationen stehen durch die Corona-Pandemie vor einer ungewissen Zukunft. Die finanziellen Auswirkungen auf den Bereich des internationalen Jugendaustausches sind immens. Mit einem Antrag der Fraktion Bündnis90 /Die Grünen und anderen Abgeordneten im Bundestag wird eine langfristige Absicherung der gemeinnützigen Schüleraustauschorganisationen gefordert

In dem Corona-Konjunkturpaket der Bundesregierung vom 3. Juni 2020 wurde der Schüleraustausch zwar berücksichtigt, jedoch reichen die Maßnahmen bei weitem nicht aus, um die gemeinnützigen Austauschorganisationen abzusichern.

Der internationale Jugendaustausch, der stark von gemeinnützigen Organisationen geprägt ist, trägt grundlegend zum Zusammenhalt in Europa und der Welt bei. Als Vereine oder gemeinnützige Unternehmenskörperschaften dürfen die Austauschorganisationen keine Rücklagen bilden. Sie erhalten auch keine staatliche Basisfinanzierung. Rückholaktionen, Stornierungen und zu erwartende Umsatzausfälle für die nächsten Monate und das kommende Austauschjahr stellen existenzbedrohende Belastungen dar. Für diese Organisationen – oft anerkannte, freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe – greifen die aktuellen Unterstützungsleistungen der Bundesregierung zu kurz und schließen sie sogar von Hilfen ganz aus, da die Richtlinien nicht für die Organisationen passen.

Mit ihrem Antrag fordert die Fraktionen BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN verschiedene Maßnahmen, um die wichtige Funktion des internationalen Schüleraustauschs, die aufgrund der Corona-Pandemie zu zerfallen drohen, zu sichern.

So soll die Bunderegierung einen Rettungsschirm für gemeinnützige Austauschorganisationen für den internationalen Schüler- und Jugendaustausch in Form einer Strukturförderung in ausreichendem Umfang bereitstellen. Die im Corona-Konjunkturpaket zugesicherten finanziellen Überbrückungsmaßnahmen müssen angepasst werden, so dass sie der Struktur und der spezifischen Situation der gemeinnützigen Austauschorganisationen entsprechen.

Die im Corona-Konjunkturpaket gewährten Darlehen für gemeinnützige Organisationen und Vereine sollen in direkte Zuschüsse umgewandelt werden und schnell und unbürokratisch beantragt werden können.

Der vollständige Antrag ist hier zu lesen.

Jetzt bewerben – AJA-Stipendien für internationalen Schüleraustausch

Auch in diesem Jahr können sich Schülerinnen und Schüler erneut um eines von insgesamt acht AJA-Teilstipendien für internationalen Schüleraustausch für das Programmjahr 2021/2022 (Ausreise im Sommer 2021) bewerben. Die Stipendien decken bis zu 50 Prozent des jeweiligen Programmpreises ab und müssen nicht zurückgezahlt werden. Interessierte Schülerinnen und Schüler können sich ab heute auf der Webseite des AJA mit Angabe ihres Wunschlandes bis zum 15. November 2020 bewerben.

Programmträger sind in diesem Jahr die AJA Organisationen AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V. (YFU), Experiment e.V. und Partnership International e.V. Zu Programmbeginn müssen die Teilnehmenden zwischen 15 und 18 Jahren sein. Die Höhe des Teilstipendiums wird auf Basis der finanziellen Situation der Familie der Bewerberin oder des Bewerbers ermittelt und muss nicht zurückgezahlt werden. „Den gemeinnützigen AJA-Organisationen ist es ein wichtiges Anliegen, Schülerinnen und Schülern einen internationalen Schüleraustausch zu ermöglichen, deren Familien dazu selbst nicht die finanziellen Mittel aufbringen können“, sagt Anna Wasielewski, Geschäftsführerin des AJA Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch.

Förderung durch Schüler-BAFöG zusätzlich zum AJA-Stipendium
Schülerinnen und Schüler können zusätzlich zum AJA-Stipendium eine Förderung durch Schüler-BAföG beantragen und so ihren finanziellen Eigenanteil nochmals reduzieren. Sowohl das AJA-Stipendium als auch das Schüler-BAföG müssen nicht zurückgezahlt werden. Weitere Informationen hierzu erhalten Bewerberinnen und Bewerber hier.

Weitere Stipendien der AJA-Organisationen mit einem Gesamtwert von über 4 Millionen Euro
Neben dem AJA-Stipendium vergeben die Mitgliedsorganisationen des AJA weitere Stipendien mit einem Gesamtwert von über 4 Millionen Euro jährlich. So werden bis zu einem Drittel der Teilnehmenden an einem Schüleraustausch bei den AJA-Organisationen mit einem Teil- oder Vollstipendium unterstützt. Informationen zu allen Stipendien stellt der AJA unter www.aja-org.de/stipendien zur Verfügung.

AJA – Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch
AJA ist der Dachverband von acht gemeinnützigen Jugendaustauschorganisationen in Deutschland. AJA setzt Qualitätsstandards und fördert die Verankerung des langfristigen internationalen Jugendaustauschs in der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik sowie in der Jugendpolitik.
Seine Mitglieder AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., Aubiko e.V., Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V. (YFU), DRK Volunta gGmbH, Experiment e.V., Open Door International e.V., Partnership International e.V. und Rotary Jugenddienst Deutschland e.V führen weltweit langfristige, bildungsorientierte Schüleraustauschprogramme durch. Mit ihrer Arbeit fördern sie interkulturelles Lernen, Verständigung, Eigenverantwortlichkeit, Toleranz und Respekt für unterschiedliche Lebensweisen und leisten damit einen Beitrag zur Demokratie- und Friedenserziehung.

Pressekontakt: Anna Wasielewski, Geschäftsführerin AJA Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch gGmbH, Gormannstr. 14, 10119 Berlin, Telefon: 030 33309875, Email: anna.wasielewski@aja-org.de

Internationaler Schüler- und Jugendaustausch in historischer Krise: Austauschorganisationen und Bildungsträger brauchen Soforthilfen in der Corona-Krise

75 Jahre nach Kriegsende: Erklärung zum internationalen Schüler- und Jugendaustausch

Der internationale Schüler- und Jugendaustausch in Deutschland und Europa steht vor historischen Herausforderungen. Hunderttausende Jugendliche nehmen jedes Jahr an einem internationalen Schüleraustausch oder einer Jugendbegegnung in Europa teil. Doch 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bringt die Corona-Krise internationale Schüler- und Jugendaustausche zum Stillstand, welche in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich zu internationaler Verständigung beigetragen haben. Generationen an jungen Menschen wurden in internationalen Austausch- und Begegnungsprojekten darin bestärkt, Demokratie, gesellschaftliche Vielfalt und europäische Verständigung zu leben und sich dafür zu engagieren.

Diese biographieprägenden Erfahrungen junger Menschen werden durch Schulen, oft aber auch durch gemeinnützige Austauschorganisationen, Vereine und Begegnungsstätten ermöglicht, die aufgrund des Stopps von Begegnungsprojekten nunmehr von Schließungen bedroht sind. Im Wesentlichen fallen diese gemeinnützigen Träger nicht unter die eingerichteten Rettungsschirme von Bund und Ländern.

Doch die Programme und Projekte des internationalen Schüleraustauschs bleiben für Demokratie, Vielfalt und Frieden in Europa entscheidend. Die Corona-Krise, deren Ende noch nicht abzusehen ist, macht deshalb auch in diesem Sektor ein umgehendes bildungspolitisches Handeln und folgende Schritte in Bund und Ländern notwendig:

1) Mehr denn je sollten Schulen in Deutschland Schulpartnerschaften mit dem Ausland aufrechterhalten und ausbauen.

Der für das Bildungssystem in Deutschland systemrelevante internationale Schüleraustausch braucht angesichts der Corona-Krise starken politischen Rückenwind und für die Zukunft bessere Rahmenbedingungen. Hunderte Schulklassen hielten auch während der Corona-Krise den Kontakt mit ihren Partnerschulen aufrecht.

In die aktuelle Digitalisierung des Schulunterrichts müssen auch Austausch und gemeinsamer Unterricht mit jungen Menschen und Partnerschulen aus dem Ausland systematisch in die digitalen Klassenzimmer integriert werden.

2) Im Schuljahr 2020/21 sollte der Individualaustausch von Schülerinnen und Schülern fortgeführt werden.

Individueller Austausch von jungen Menschen ist auch während der Gesundheitskrise mit zahlreichen Partnerländern, insbesondere in Europa, möglich. Zahlreiche Austauschschüler*innen sind in den Gastländern geblieben. Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen wünschen eine Fortführung oder Wiederaufnahme der Programme.

3) Es ist notwendig, dass Bund und Länder umgehend Infrastrukturkosten für zivilgesellschaftliche Akteure anteilig fördern – schnell, unbürokratisch und langfristig.

Gemeinnützige Organisationen des Schüleraustauschs sowie Bildungs- und Begegnungsstätten sind durch eine dauerhafte Absage internationaler Projekte in ihrer Existenz bedroht.Nur so kann diese für unsere Demokratie systemrelevante Bildungsarbeit auch in den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts bestehen bleiben und weiterentwickelt werden.

Die europa- und außenpolitische Dimension der internationalen Bildungsarbeit darf nicht vernachlässigt werden: Mit Begegnungs- und Austauschprojekten werden auch Partnerorganisationen in Partnerländern in Europa und der Welt finanziert.

Internationale Begegnungen bilden für junge Menschen lebensprägende Erfahrungen. Internationaler Schüler- und Jugendaustausch ist ein unverzichtbarer Baustein einer demokratischen Zivilgesellschaft und muss auch weiterhin ein entscheidender Teil unseres Bildungssystems bleiben.

  • AJA – Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch
  • ConAct – Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch
  • DFJW – Deutsch-Französisches Jugendwerk
  • DPJW – Deutsch-Polnisches Jugendwerk
  • DTJB – Deutsch-Türkische Jugendbrücke
  • IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland
  • Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch
  • Tandem – Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch
  • UK-German Connection – Deutsch-Britische Schul- und Jugendbegegnungen

Initiative »Austausch macht Schule«
Kontakt: Bernd Böttcher
c/o Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gGmbH · Mittelweg 117b · 20149 Hamburg
Tel. +49 (0)40 87 88 679-31  |  Fax +49 (0)40 87 88 679-20
b.boettcher@austausch-macht-schule.org  |  www.austausch-macht-schule.org

Webinar: Neustart für den europäischen Schüler- und Jugendaustausch

Wann wird internationaler Schüleraustausch wieder möglich sein? Darüber diskutieren am Donnerstag den 30.4. Lea Sedlmayr (Bayerischer Jugendring), Dr. Uta Wildfeuer (AJA Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch), Jantje Theege (YFU Deutschland) mit Florian Siekmann, MdL und Beate Walter-Rosenheimer, MdB (Bündnis’90/Grüne) und allen Interessierten im Webinar.

Das Webinar findet am 30.4.2020 von 18.30 – 20.00 Uhr statt.

Zukunftswerkstatt 4.0 – Zukunft des Ehrenamts im digitalen Format

Das Ehrenamt spielt im internationalen Schüleraustausch eine wesentliche Rolle. Viele gemeinnützige Organisationen in diesem Bereich verfügen über starke und über Jahrzehnte gewachsene Ehrenamtsstrukturen- und Netzwerke. Wie sich aktuelle Entwicklungen und gesellschaftlicher Wandel auf die Arbeit mit Ehrenamtlichen auswirken, untersucht die am 30.4. stattfindende digitale Zukunftswerkstatt. Die Veranstaltung wird vom AJA Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch konzipiert und organisiert und vom International Alumni Center (iac) finanziell gefördert.

Die Veranstaltung, die ursprünglich als Vernetzungswerkstatt für 2 Tage in Berlin geplant war, wurde nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ins Netz verlegt und findet nun an einem Tag als digitale Zoom-Konferenz statt. Dr. Uta Wildfeuer, Geschäftsführerin des AJA, sagt dazu: „Wir wollten die Veranstaltung nicht absagen, daher ein digitales Format. Ob im Herbst oder Winter Veranstaltungen in der Größe wieder genehmigt werden, halte ich nach wie vor für fraglich. Da außerdem Digitalisierung ein wesentliches Thema der Tagung ist, war es für uns gleichermaßen ein Anspruch, diese zu nutzen und die Zukunftswerkstatt online durchzuführen“.

Ziel der Veranstaltung ist es, eine Plattform zu bieten, auf der sich Expertinnen und Experten aus hauptamtlichen sowie ehrenamtlichen Strukturen im Feld des Schüler- und Jugendaustausches vernetzen. Zusätzlich werden in drei Werkstätten zu den Themen Chancen und Folgen der Digitalisierung, Veränderungen in Netzwerkstrukturen sowie in der Ehrenamts-Motivation Antworten auf folgende Fragen erarbeitet: Wie kann die Motivation von Ehrenamtlichen und die Attraktivität von Ehrenamt gesteigert werden? Welche Möglichkeiten bietet die Digitalisierung, neue Zielgruppen anzusprechen? Wie können Organisationen die Ehrenamtlichen zukünftig besser erreichen und die Zusammenarbeit gestalten? Im Ergebnis der Werkstätten werden dazu Handlungsempfehlungen als 10-Punkte-Plan erarbeitet und mittels Graphic Recording aufbereitet.

Einstimmung und Input für die Werkstätten liefern die einleitenden Keynotes von Susanna Hölscher von der Akademie für Ehrenamtlichkeit zum Thema „Engagement und Motivation im Wandel“. Peggy Eckert von der Deutschen Kinder und Jugendstiftung spricht zum Thema „Wie ticken die Jugendlichen von heute?“. Als abschließende Keynote lädt Prof. Simon Runkel vom Lehrstuhl für Sozialgeographie der Universität Jena zum Nachdenken über Solidarität und Gesellschaft ein.

An der Zukunftswerkstatt nehmen circa 30 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter gemeinnütziger Organisationen teil.

COVID-19 bedroht den Fortbestand des gemeinnützigen Schüleraustausches

Die gemeinnützigen Schüleraustauschorganisationen stehen durch den Ausbruch der Corona-Pandemie vor einer ungewissen Zukunft. Die finanziellen Auswirkungen auf den Bereich des internationalen Schüleraustausches sind bereits jetzt immens. Der Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch (AJA) fordert umfassende staatliche Unterstützung für gemeinnützige Träger.

Langfristiger internationaler Bildungsaustausch und ehrenamtliches Engagement sind unerlässliche Merkmale einer gefestigten Demokratie. Dafür steht der gemeinnützige Schüleraustausch mit seinen Vereinen und gemeinnützigen Trägern in Deutschland und weltweit.

Die gemeinnützigen Austauschorganisationen sind dem Gemeinwohl verpflichtet und anerkannte Träger der freien Jugendhilfe. Wir erhalten keine institutionelle Förderung und sind zur Finanzierung unserer Aktivitäten auf Programmbeiträge der Teilnehmenden angewiesen, die bei einer Beeinträchtigung der bevorstehenden Programme teilweise oder ganz entfallen. Wir erwirtschaften keine Gewinne und können so weder relevante Reserven bilden noch umfangreiche Kredite bedienen.

Wir warnen eindringlich davor, dass in relativ kurzer Zeit eine Welle von Insolvenzen den gemeinnützigen Sektor erfassen wird, wenn nicht frühzeitig staatliche Hilfen gewährt werden. Dies kann nicht in Form von Krediten geschehen, da diese zu Überschuldungen führen würden. Wir sehen uns einer Entwicklung gegenüber, die ihre Existenz und die über Jahrzehnte aufgebauten zivilgesellschaftlichen Strukturen und internationalen Netzwerke bedroht.

Bereits jetzt müssen wir zahlreiche Programme und Veranstaltungen abbrechen oder absagen, was zu erheblichen Stornokosten führt. Eine Prognose für den Schüleraustausch im Schuljahr 2020/21 fällt derzeit schwer. Wir rechnen mit großen Einschnitten in unseren Programmen, an denen jährlich rund 5.500 Schülerinnen und Schüler in Deutschland und in über 50 Länder weltweit teilnehmen. Die aus der Pandemie resultierenden finanziellen Ausfälle stellen uns vor große wirtschaftliche Herausforderungen, die wir ohne umgehende finanzielle Hilfen nicht stemmen können.

Wir fordern von der Bundesregierung, dass

  • Bereits bewilligte Projektförderungen für Austauschprogramme, die nicht umgesetzt werden können, vollständig in eine direkte Förderung zur Überbrückung umgewandelt werden,
  • unter dem Rettungsschirm nicht nur Kredite, sondern echte Zuschüsse für die gemeinnützigen Schüleraustauschorganisationen gewährt werden,
  • offene Projektmittel aus dem Kinder- und Jugendplan als zusätzliche Strukturhilfe eingesetzt werden – für Träger, die bisher keine institutionelle Förderung erhalten,
  • es keine Kompensationsforderungen gegenüber Teilnehmenden und Organisationen im langfristigen Bildungsaustausch gibt, die von der Rückholaktion des Auswärtigen Amts betroffen sind,
  • Beiträge des Auslands-BAföG an die Schülerinnen und Schüler weitergezahlt werden, wenn deren Auslandsjahr auf Grund der Corona-Pandemie vorzeitig beendet werden musste.

Auslandserfahrungen junger Menschen sind ein elementarer Bestandteil der Förderung von interkultureller Verständigung, zivilgesellschaftlichem Engagement und Demokratie weltweit. Wir sind sicher, dass der Schüleraustausch nach der Überwindung der Corona-Krise mehr denn je nachgefragt sein wird. AJA fordert die Bundesregierung daher auf, jetzt umfassend geeignete finanzielle Maßnahmen zu ergreifen, um den Fortbestand des gemeinnützigen Schüleraustausches zu sichern.

                                                                                           Berlin, den 25.03.2020

                                                                                 gez.: AJA-Geschäftsführung

Die Zugangsstudie zum internationalen Jugendaustausch – Zugänge und Barrieren

Statement zur Zugangsstudie aus Sicht des individuellen langfristigen Schüleraustauschs

Als Vertreterinnen und Vertreter des gemeinnützigen langfristigen Schüleraustauschs interessieren uns seit jeher die Fragen, wie wir möglichst vielen Jugendlichen einen Austausch ermöglichen können, unabhängig von Ausbildung, Schulbildung und finanziellem Hintergrund. Wie können wir möglichst viele Jugendliche durch unsere Ehrenamtsarbeit motivieren, sich für die non-formale bildungspolitische Arbeit als aktiver Teil der Gesellschaft, einzubringen. Damit verbunden sind für uns die Fragen wichtig, welche Zugänge und Barrieren die Jugendlichen selbst für einen Austausch sehen und wie wir diese Barrieren noch besser abbauen können. Die Mitglieder des AJA entsenden seit mehr als 70 Jahren jedes Jahr ca. 4000 Jugendliche in über 50 Länder weltweit und ermöglichen ca. 2.000 Jugendliche aus über 50 Ländern für einen langfristen Schüleraustausch nach Deutschland. Dieser beidseitige Austausch ist das Alleinstellungsmerkmal der AJA-Mitglieder. In ihrem Netzwerk aus insgesamt über 10.000 ehrenamtlich Aktiven, zumeist jungen Menschen und Gastfamilien,werden die bildungspädagogischen Austauschprogramme vorbereitet, betreut und nachbereitet. Durch unsere umfassende Ehrenamtsarbeit werden junge Menschen befähigt, sich in ihrer Freizeit langfristig in Deutschland für das Gemeinwohl zu engagieren. Als Dachverband der acht größten gemeinnützigenAustauschorganisationen in Deutschland werden wir nachfolgenddie Ergebnisse darstellen, die aus unserer Sicht für die weitere Diskussion im Feld von Bedeutung sind:

Langfristiger Schüleraustausch –kein Format im Kontext der formalen Bildung

In der Zugangsstudie wird der internationale Jugendaustausch unterteilt in unterschiedliche Formate, die im Kontext formaler und nonformaler Bildung stattfinden. Wie die Abbildung von Becker und Thimmel deutlich macht, ordnen beide den langfristigen individuellen Schüleraustausch in den Kontext des formalen Bildungsbereich ein. Diese Einteilung ist unserer Ansicht nach falsch: Die langfristigen individuellen Austauschprogramme werden von außerschulischen Trägernder freien Jugendhilfe (und nicht z.B. von Schulen) durchgeführt. Darüber hinaus basiert die Arbeit dieser Träger auf starkem Engagement eines großen Netzwerkes aus ehrenamtlich aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die nach den Prinzipien der Offenheit, Freiwilligkeit und Partizipation erfolgen. Die Ausgestaltung dieser Austauschprogramme mit vorbereitenden und nachbereitenden Seminaren, umfassender Betreuung und die Weiterentwicklung der Austauschprogramme lassen sich mehr als eindeutig in den Kontext der non-formalen Bildung einordnen. Selbst Thimmel beschreibt die Merkmale nonformaler Bildung und definiert diese folgendermaßen: „unter nonformaler Bildung sind Formen organisierter Bildung zu verstehen, die in der Regel freiwilliger Natur sind […]. […]. Dabei sind Offenheit, Freiwilligkeit und Partizipationkonstitutiv für den nonformalen Bildungsbereich. Dabei berücksichtigt Jugendarbeit [Anmerk.: langfristiger Schüleraustausch!] Herausforderungen der Jugendphase und des Jugendalters sowie die lebensweltlichen Bedingungen des Aufwachsens in einer demokratischen, aber auch von sozialer Ungleichheit geprägten und globalisierten Gesellschaft. Die Ermöglichung von Erfahrungen der Selbstwirksamkeit und der Anerkennung bilden den Kern der emanzipatorischen nonformalen Bildung […].“

Basierend auf dieser Definition ist eine Zuordnung in den Kontext der formalen Bildung und die daraus resultierenden Interpretationen ein systematischer Fehler, der sich durch die gesamte Publikation zieht und auch die strukturelle und politische Diskussion prägt.

Zentrale Erkenntnisse der Studie

Abgesehen von der oben ausgeführten Erläuterung zur Formatklassifikation wollen wir den Blick auf die zentralen Erkenntnisse der Studie legen, die für unsere Arbeit, aber auch für das Feld des internationalen Jugendaustausches, wichtig sind: 26% aller Jugendlichen nehmen an internationalen Austauschprogrammen teil. Über 60% Jugendliche interessieren sich für Austauschprogramme, unabhängig von ihrer Bildungsschicht und Milieuzugehörigkeit. Zugangsbarrieren für die Jugendlichen sind vielfältig und individuell, wobei ein wichtiges Hindernis die Annahme ist, dass die finanziellen Gründe überwiegen. Vor dem Hintergrund der vorhandenen Angebote zahlreicher staatlich geförderter Träger in Deutschland sind 26% erreichte Jugendliche, zumeist aus gymnasialen Schulformen, zu gering. Lässt sich weiterhin feststellen, dass über 60% derJugendlichen, (sogar) unabhängig von Bildungsschicht und Milieuzugehörigkeit an Austauschprogrammen interessiert sind, sollte man die Gründe, warum die Jugendlichen nicht teilnehmen, genauer untersuchen. Liegt es „nur“ ander Annahme, dass es an den finanziellen Kosten liegt, die als größte Zugangshürde angesehen werden oder liegen noch andere strukturelle Gründe vor? Interpretationen lassen sich hierzu in der Studie entweder nur vage oder gar nicht finden. Hier geht die Studie aus unserer Sicht nicht weit genug. Schaut man sich die oben aufgeführten drei Punkte an, dann kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass die Austauschprogramme kein selbstverständlicher Bestandteil der Lebenswelten von Jugendlichen in Deutschland darstellen – auch eine Erkenntnis der Studie.

Fazit -ein Anfang ist gemacht –viele Schritte sind zu tun

Wir begrüßen die wissenschaftliche Untersuchung und die Veröffentlichung der Zugangsstudie. Sie eröffnet uns in einem ersten Schritt die Sicht-und Lebensweisen zum internationalen Austausch von Jugendlichen. In den Einzelfallstudien von unterschiedlicher Qualitäten werden die Jugendlichen in ihren unterschiedlichen Lebenswelten und nach bestimmten Milieus geclustert und die Denk-und Sichtweisen über den internationalen Jugendaustausch beschrieben. Diese Einblicke gibt es bisherin dieser Form noch nicht, gleichwohl die Studie Lücken aufzeigt und an vielen Stellen Fragen nach vertiefenden Ergebnissen und Interpretationen stellt. Was muss nun also folgen? Es ist klar, dass alle Jugendlichen egal welcher Schulform die Möglichkeit haben sollten, an Austauschprogrammen, unabhängig von Dauer und Destination, teilzunehmen. AJA setzt sich mit Nachdruck dafür ein, dass in der weiteren Diskussion keine Klientel-Politik seitens der internationalen Jugendarbeit stattfindet und dass alle Trägerim internationalen Jugendaustausch, unbedingt in Zusammenarbeit z.B. mit Bundesministerien, Kultusministerien und Schulen, an gemeinsamen Lösungen arbeiten. Ein „weiter so“ kann es unsere Ansicht nach nicht geben. Dazu ist die Teilnahme von nur 26% der Jugendlichen an verschiedenen, in erster Linie staatlich geförderten Austauschformaten zu alarmierend. AJA und seine Mitgliedsorganisationen sind mit der Vielfalt ihrer Partnerländer, ihren internationalen Netzwerken und der pädagogisch orientierten Programmausgestaltung ein überaus qualitativ wichtiger Partner, um hier gemeinsam weitere Akzente zu setzen.

Weitere Informationen zum Coronavirus (SARS-CoV-2) im internationalen Schüleraustausch

AJA Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch beobachtet intensiv die derzeitigen Entwicklungen zum Coronavirus in Deutschland und weltweit. Am 17.03.2020 hat das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland eine globale Reisewarnung herausgegeben. Die Einschnitte, die es in Deutschland, aber auch in anderen Ländern weltweit, sowohl für das Privatleben als auch für unsere Arbeit gibt, verlangen von uns große Anstrengungen. In dieser Zeit müssen wir alle zusammenstehen, um ruhig, aber entschlossen dazu beizutragen, die Pandemie zeitnahe zu beenden. Hierfür brauchen wir alle die größtmögliche Unterstützung von allen Seiten.

Alle Kolleginnen und Kollegen in unseren Austauschorganisationen stehen in ihrer täglichen Arbeit vor sehr großen Herausforderungen. Dabei hat die Sicherheit aller Programmteilnehmenden und der Mitarbeiter*innen in den Organisationen und ihren Kooperationspartnern in den Mitgliedsorganisationen des AJA oberste Priorität. Die Mitgliedsorganisationen stehen in engem Kontakt mit ihren Programmteilnehmenden und Gastfamilien in Deutschland und weltweit.

Interkultureller Austausch, gesellschaftlicher Zusammenhalt und grenzübergreifende Verständigung sind gerade in Zeiten wie diesen enorm wichtig. Der AJA und seine Mitgliederorganisationen setzen sich weiter für den individuellen Schüleraustausch, die Förderung des interkulturellen Austauschs, der interkulturellen Bildung und des gesellschaftlichen Engagements ein. Darum arbeiten unsere Mitgliedsorganisationen zum jetzigen Zeitpunkt daran, dass das Programmjahr 2020/2021 wie geplant ablaufen kann.

AJA empfiehlt allen Teilnehmenden, ihren Gastfamilien und den vielen ehrenamtlich Aktiven von internationalen Schüleraustauschprogrammen nach wie vor, den aktuellen Empfehlungen zur Vorbeugung einer Ansteckung zu folgen und sich über den aktuellen Stand in ihren Gastländern zu informieren. Für weitere Fragen und Informationen steht Ihnen die durchführende Austauschorganisation gerne zur Verfügung. 

Weiterführende Informationen zum Coronavirus erhalten Sie hier:

Robert Koch-Institut:                         
https://www.rki.de/  

Bundesgesundheitsministerium: 
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/  

Auswärtiges Amt:                              
https://www.auswaertiges-amt.de/

Über AJA: AJA ist der Dachverband gemeinnütziger Jugendaustausch. Seine Mitglieder führen – gestützt auf ehrenamtliches Engagement – weltweit langfristige und bildungsorientierte Schüleraustauschprogramme durch. Unabhängig von Hautfarbe, Religion und politischer Überzeugung sollen das interkulturelle Lernen, Verständigung, Toleranz und der Respekt für unterschiedliche Lebensweisen gefördert und damit Friedensbemühungen unterstützt werden.


Informationen zum Coronavirus (SARS-CoV-2) im internationalen Schüleraustausch

AJA Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch sowie der Deutsche Fachverband High School, die Dachverbände der führenden gemeinnützigen und kommerziellen Jugendaustauschorganisationen in Deutschland, beobachten intensiv die derzeitigen Entwicklungen zum Coronavirus in Deutschland und weltweit.

Die Sicherheit aller Programmteilnehmenden und der Mitarbeiter*innen in den Organisationen und ihren Kooperationspartnern hat in den Mitgliedsorganisationen des AJA und des DFH oberste Priorität. Die Mitgliedsorganisationen stehen in engem Kontakt mit ihren Programmteilnehmenden und Gastfamilien in Deutschland und weltweit.

Das Robert Koch-Institut sowie das Bundesgesundheitsministerium analysieren die aktuelle Lage und geben Empfehlungen für die Bevölkerung in Deutschland. Das Auswärtige Amt gibt ggf. Reisewarnungen für besonders betroffene Zielregionen ab. Basierend auf den Informationen dieser Bundesbehörden informieren die im AJA und im DFH zusammengeschlossenen Austauschorganisationen ihre Programmteilnehmenden und Gastfamilien über aktuelle Entwicklungen sowie die derzeit empfohlenen vorbeugenden Hygienemaßnahmen.

AJA und DFH empfehlen allen Teilnehmenden von internationalen Schüleraustausch-programmen, den aktuellen Empfehlungen zur Vorbeugung einer Ansteckung zu folgen und sich über den aktuellen Stand in ihren Gastländern zu informieren. Für weitere Fragen und Informationen steht Ihnen die durchführende Austauschorganisation gerne zur Verfügung. 

Weiterführende Informationen zum Coronavirus erhalten Sie hier:

Robert Koch-Institut:                         
https://www.rki.de/  

Bundesgesundheitsministerium: 
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/  

Auswärtiges Amt:                              
https://www.auswaertiges-amt.de/

Über AJA: AJA ist der Dachverband gemeinnütziger Jugendaustausch. Seine Mitglieder führen – gestützt auf ehrenamtliches Engagement – weltweit langfristige und bildungsorientierte Schüleraustauschprogramme durch. Unabhängig von Hautfarbe, Religion und politischer Überzeugung sollen das interkulturelle Lernen, Verständigung, Toleranz und der Respekt für unterschiedliche Lebensweisen gefördert und damit Friedensbemühungen unterstützt werden.

Über DFH: Als Zusammenschluss führender deutscher Anbieter von High-School-Programmen versteht sich der Deutsche Fachverband High School e.V. als unabhängiges Beratungs- und Informationsgremium zu Fragen internationaler Highschool-Programme. Die Mitglieder haben sich zur Einhaltung der Qualitätsrichtlinien des DFH verpflichtet, was kontinuierlich durch einen unabhängigen Fachbeirat überprüft wird.