Anerkennung von Auslandsschuljahren

Der AJA setzt sich im Dialog mit den Bundesländern und der Kultusministerkonferenz dafür ein, dass die Richtlinien zur Anerkennung von Auslandsschuljahren in den einzelnen Bundesländern ein möglichst breites Spektrum an Anerkennungsoptionen vorsehen, um den Schülerinnen und Schülern grundsätzlich verschiedene Zeitpunkte für ein Austauschjahr in ihrer persönlichen Schullaufbahn zu eröffnen.

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Der AJA hat nunmehr mit 15 Bundesländern (mit Ausnahme des Saarlands) Informationsflyer zur Anerkennung von Auslandsschuljahren erstellt, in denen die wichtigsten Informationen, Empfehlungen und Auszüge aus den jeweiligen Verordnungen zusammengefasst sind. Diese AJA-Informationsflyer über die Richtlinien der Bundesländer und deren Anerkennung von Auslandsschuljahren sind in Kooperation und / oder in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Ministerien der Bundesländer erstellt worden.

Mit der Schulzeitverkürzung und der Einführung des „Abiturs in 12 Jahren“ (i.d.R. achtjähriger gymnasialer Bildungsgang [G 8]) geht eine Reihe von Verunsicherungen in der Öffentlichkeit einher. Bezogen auf einjährige Schüleraustauschprogramme stellt sich die Frage, ob ein ganzes Schuljahr im Ausland in Zukunft noch möglich ist, und wann der richtige Zeitpunkt dafür wäre. Schülerinnen und Schüler, die weiterhin nach 13 Jahren das Abitur ablegen, haben selbstverständlich auch in Zukunft gemäß der in ihrem Bundesland gültigen Richtlinien i.d.R. die Möglichkeit, sich das Austauschjahr in der 11. Klasse anerkennen zu lassen oder es zwischen der Klasse 11 und 12 als zusätzliches Schuljahr „einzuschieben“.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat mit Verabschiedung der neuen Oberstufenvereinbarung im Juni 2006 festgelegt, dass auch im achtjährigen gymnasialen Bildungsgang [G8] ein Auslandsaufenthalt bis zur Gesamtdauer eines Jahres auf die Schulzeit in der Oberstufe in Deutschland angerechnet werden kann. Damit setzt der Beschluss ein ausgesprochen positives Signal, da er die Bedeutung von Auslandsaufenthalten und interkulturellem Lernen als Bestandteil der schulischen Ausbildung in Deutschland ausdrücklich unterstreicht. Die konkrete Ausgestaltung dieses Beschlusses obliegt den einzelnen Bundesländern, die die jeweiligen Umsetzungsrichtlinien erlassen.

Für Schülerinnen und Schüler mit 12 Jahren bis zum Abitur [G8] gibt es somit folgende Möglichkeiten, ein Schuljahr im Ausland zu verbringen:

Austauschjahr während der 10. Klasse (mit Anerkennung des Auslandsaufenthalts auf den Bildungsgang in Deutschland)

Voraussetzung hierfür ist der Erlass einer entsprechenden Versetzungsrichtlinie im jeweiligen Bundesland. Im Grunde werden hier die geltenden Richtlinien (d.h. Anerkennungsmöglichkeit für Klasse 11) sinngemäß auch auf G8 angewandt (das heißt eine Anerkennungsmöglichkeit für Klasse 10).

Austauschjahr zwischen der 10. und 11. Klasse (ohne Anerkennung des Auslandsaufenthalts auf den Bildungsgang in Deutschland)

Schülerinnen und Schüler können ein Austauschjahr auch als zusätzliches Schuljahr im Ausland zwischen der 10. und 11. Klasse „einschieben“. Sie verzichten damit auf eine Anerkennung des Auslandsschuljahres in Deutschland, die Schulzeit verlängert sich dabei auf 13 Jahre.

Die Regelungen zur Anerkennung von Auslandsschuljahren in den einzelnen Bundesländern finden Sie zusammengefasst in den entsprechenden AJA-Flyern.

Empfehlung für Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern

Generell ist zu empfehlen, dass sich alle Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern vor dem Auslandsaufenthalt mit ihrer jeweiligen Schulleitung in Verbindung setzen und ausführlich beraten lassen, bzw. die unterschiedlichen Möglichkeiten und ggf. Voraussetzungen für eine Anerkennung diskutieren.

Abgesehen von der Anerkennung des im Ausland verbrachten Schuljahres in Form schulischer Leistungen liegt der Mehrwert eines Austauschjahres in erster Linie in Faktoren der Persönlichkeitsentwicklung des Schülers/der Schülerin. Die erworbenen Fähigkeiten wie Fremdsprachenkenntnisse oder interkulturelle und soziale Kompetenz sind wichtige Schlüsselqualifikationen, die für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen unserer Zeit immer bedeutender werden.

Ein Schuljahr im Ausland ist daher aus Sicht des AJA auch unabhängig von der Anerkennung schulischer Leistungen ein Gewinn für den weiteren Lebensweg.

  • Persönliche Erfahrungen in fremden Kulturen haben besonders in der Zeit des Erwachsenwerdens nachhaltige Wirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung und fördern wichtige soziale Kompetenzen.
  • Die Schülerinnen und Schüler verfügen über die nötige Reife und Reflexionsfähigkeit, gleichzeitig aber auch über genügend Offenheit und Flexibilität, um sich an das Leben in der anderen Kultur anpassen und sich in die Gastfamilie integrieren zu können.
  • Die Schülerinnen und Schüler sind Teil eines Schul- und Klassenverbands, aus dem heraus sie ein anderes Schulsystem kennen lernen: Sie betrachten schulische Inhalte aus einer anderen Perspektive und ergänzen damit ihre Fachkompetenzen. Nach ihrer Rückkehr können sie diese auch in den schulischen Alltag in Deutschland einbringen.