Mit dem gemeinsam von Bund und Ländern geförderten Bericht „Bildung in Deutschland“ wird zweijährlich eine umfassende empirische Bestandsaufnahme für das deutsche Bildungswesen vorgelegt.
Im 11. Bericht, der im Juni 2026 erschienen ist, attestieren die Autor*innen den Schulen Herausforderungen, die sich vor allem aus veränderten Rahmenbedingungen wie Bildungsungleichheiten, wachsender Heterogenität der Schülerschaft, Lehrkräftemangel und steigenden Anforderungen an individuelle Förderung ergeben.
Bildungsungleichheiten
Empirische Befunde zeigen konsistent, dass über den gesamten Bildungsverlauf hinweg systematische Ungleichheiten bestehen. Zu den zentralen individuellen Merkmalen zählen hier soziale Herkunft, Einwanderungsgeschichte, Geschlecht, gesundheitliche Beeinträchtigungen und familiale Lebensform.
Diese soziale Ungleichheit manifestiert sich auch im Bildungssystem. Deutschland gehört im internationalen Vergleich zu den Staaten, in denen der Kompetenzerwerb besonders stark von der sozialen Herkunft abhängt.
Wachsende Heterogenität der Schülerschaft
Neben der sozialen Ungleichheit sorgt auch ein steigender Anteil von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte für eine stärkere Heterogenität bei den Schüler*innen. Dazu heißt es im Bericht: „Die andauernde Zuwanderung mit einer seit 2015 gestiegenen Dynamik stellte gleich mehrere Bildungsbereiche vor erhebliche Anpassungsanforderungen. Neben dem quantitativen Bedarf an Plätzen verändert sie auch die Zusammensetzung der Teilnehmenden, etwa hinsichtlich Alter, Vorbildung, Sprachkompetenzen und Unterstützungsbedarfen. Damit steigen die pädagogischen Anforderungen in den Einrichtungen von der frühen Bildung bis zur Weiterbildung.“
Im Alter von 15 bis 20 Jahren haben aktuell 14 Prozent einen direkten Migrationshintergrund, während 19 Prozent Nachkommen von eingewanderten Eltern sind.
Fachkräftemangel
Der Lehrkräftemangel bleibt trotz steigender Lehrkräftezahlen bestehen. Die Länder greifen zunehmend auf Quer- und Seiteneinsteiger*innen zurück. Der Anteil von Lehrkräften ohne anerkannte Lehramtsprüfung hat sich innerhalb eines Jahrzehnts nahezu verdoppelt. Der Bericht betont, dass der anhaltende Personalmangel eine zentrale Herausforderung für die Sicherung von Unterrichtsversorgung und Bildungsqualität darstellt. Konsequenzen sind, dass der Unterricht nicht immer fachgerecht erteilt werden kann, aber auch weniger Ressourcen für Entwicklungsaufgaben wie Schulentwicklung, Individualisierung, Inklusion oder Digitalisierung zur Verfügung stehen.
Fazit: mehr multiprofessionelle Zusammenarbeit
Durch die genannten Herausforderungen ist eine Fokussierung bei den allgemeinbildenden Schulen auf die Kernfächer und Kernkompetenzen wie Schreiben, Lesen und Rechnen zu beobachten. Weitere vor allem fächerübergreifende Kompetenzen können nicht in dem Maße gefördert werden, wie es die veränderten Rahmenbedingungen (soziale Ungleichheit, Heterogenität) erfordern würden.
Der Bericht zeigt aber auch Lösungen auf. So schreiben die Autor*innen: „Die Bewältigung von Herausforderungen im Schulwesen erfordert neben Lehrkräftekapazitäten auch den Einsatz weiterer (nicht)pädagogischer Fachkräfte. Mit multiprofessioneller Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen und Ehrenamtlicher werden große Potenziale und hohe Erwartungen verbunden.“ Leider, so bedauern die Verfasser*innen, gibt es kaum Datengrundlagen zu weiteren Berufsgruppen und multiprofessioneller Zusammenarbeit an Schulen.
Schule Global: Beitrag zu Entwicklung und Entlastung
Der AJA befürwortet den skizzierten Ansatz der multiprofessionellen Zusammenarbeit ausdrücklich – und bietet konkrete Hilfestellung: „Wie außerschulische Träger das System Schule gewinnbringend entlasten können, zeigt unsere seit 2019 bestehende Initiative Schule Global. Hiermit unterstützen wir Schulen in den Bereichen interkulturelle Bildung und internationaler Austausch. Inzwischen gehören 94 Schulen zum bundesweiten Netzwerk, die mit Hilfe der Schule Global-Coaches in ihre Schulentwicklung investieren – und es gibt Kapazitäten, weitere Schulen aufzunehmen“, erklärt AJA-Geschäftsführer Jan Schütte. Schule Global ist ein Gemeinschaftsprojekt des AJA und seiner sechs Mitgliedsorganisationen in Kooperation mit InterCultur gGmbH. Es wird seit 2025 gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).
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