Schule Global beim Projekttag am Gymansium Hochrad

Projektwoche Jahrgang 10: Kultur und Identität am Gymnasium Hochrad in Hamburg

Was man für selbstverständlich hält, fällt oft erst dann auf, wenn es nicht mehr funktioniert. Genau an diesem Punkt setzte der Workshop „Kultur und Identität“ an, der im Rahmen der Projektwoche mit der Jahrgangsstufe 10 am Gymnasium Hochrad in Hamburg stattfand. In allen zehnten Klassen wurde der Workshop durchgeführt – jeweils individuell gestaltet und von unterschiedlichen Referent*innen moderiert. In drei Klassen engagierten sich Ehrenamtliche der gemeinnützigen Austauschorganisation Youth for Understanding (YFU) im Rahmen des Programms Coloured Glasses. YFU ist Mitglied im Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch (AJA), der auch das Siegel „Schule Global“ vergibt.

Auch Schule Global-Coachin Anna Kauert (YFU), die die Schule betreut, hat einen Workshops begleitet. Diesen möchten wir hier kurz vorstellen.

Der Einstieg war bewusst persönlich. Bei der „Geschichte meines Namens“ erzählten Schüler*innen – freiwillig – von Bedeutungen, familiären Hintergründen oder kleinen Geschichten rund um ihren Namen. Schnell wurde deutlich, wie eng Namen mit Identität, Herkunft und Zugehörigkeit verbunden sein können. Das anschließende Kennenlern-Bingo eröffnete Gespräche über Sprache, Familie, Reisen und Erfahrungen, die im Schulalltag sonst selten thematisiert werden.

Im Mittelpunkt des Workshops stand die Simulation „Barnga Barnga“. In der Auswertung wurde sichtbar, wie schnell wir dazu neigen, das Verhalten anderer zu bewerten, wenn unsere eigenen Erwartungen nicht erfüllt werden – und wie selten wir zunächst davon ausgehen, dass es auch andere, gleichwertige Regeln geben könnte.

Anschließend arbeiteten die Schüler*innen mit dem Zwiebelmodell der Kultur. In Kleingruppen gestalteten sie einzelne Schichten der Kulturzwiebel auf Flipcharts und füllten diese mit Beispielen aus ihrer eigenen Lebenswelt. Besonders die Beschäftigung mit unsichtbaren Ebenen wie Normen, Werten und Grundannahmen führte zu intensiven Gesprächen. Viele stellten fest, dass gerade diese kaum sichtbaren Aspekte unser Denken und Handeln im Alltag stark prägen.

Zum Abschluss des Workshops standen Rollenspiele zu Diversitätskompetenzen im Fokus. In kurzen Szenen griffen die Schüler*innen typische Alltagssituationen auf: Missverständnisse in der Kommunikation, vorschnelle Zuschreibungen, Ausgrenzung oder Unsicherheit im Umgang mit Unterschieden. In der gemeinsamen Reflexion ging es weniger um richtige Lösungen als um mögliche Haltungen und Handlungsoptionen – etwa darum, nachzufragen statt zu bewerten, Empathie zu zeigen oder unterschiedliche Perspektiven auszuhalten.

Der Workshop machte deutlich, dass kulturelle Unterschiede selten dort liegen, wo wir sie zuerst vermuten. Häufig verbergen sie sich in ungeschriebenen Regeln, Erwartungen und Selbstverständlichkeiten, die wir kaum hinterfragen. Sich dieser bewusst zu werden, ist ein erster Schritt – nicht hin zu einfachen Antworten, sondern zu einem zugewandten Miteinander im schulischen Alltag und auch für das spätere Berufsleben.

Wir danken den Lehrkräften Sarah Scholte und Kirsten Okun für ihr Engagement für diesen Projekttag.