Parlamentarisches Frühstück in Stuttgart

Parlamentarisches Frühstück in Stuttgart

„Wir haben einfach große Freude an internationalem Austausch und wollen bei unseren Schülerinnen und Schülern interkulturelle Kompetenzen fördern.“ Stephanie Reuschenbach, Lehrerin an der Jörg-Ratgeb-Schule in Stuttgart-Neugereut, wusste beim Parlamentarischen Frühstück der Initiative @Austausch macht Schule (AmS) am 3. Juli zu überzeugen. Die Pädagogin berichtete über den seit 1996 gepflegten Austausch des Gymnasiums mit dessen Partnerschule im polnischen Lodz. Aber sie hatte auch eine eindringliche Botschaft an die zehn baden-württembergischen Landtagsabgeordneten: „Wir sind am Limit unserer Kapazitäten“, versicherte die Pädagogin. „Wir wünschen uns weniger Bürokratie und mehr finanzielle Entlastung der Familien, damit Kinder an Austauschprogrammen teilnehmen können.“

Anliegen, für die sich Austausch macht Schule seit vielen Jahren im politischen Raum engagiert. Leiter der Initiative Bernd Böttcher skizzierte im Kreis der Vertreter*innen aus Politik, Jugendarbeit, bundesweiten Fach- und Förderstellen die drei Forderungen von AmS:

  • Jede*r Schüler*in erhält im Laufe der Schulzeit die Möglichkeit eines internationalen Austausches
  • Internationaler Austausch ist Bestandteil von Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften
  • Auf kommunaler Ebene erhalten Schulen finanzielle Unterstützung für Austausch-Aktivitäten

Beim Stichwort Bildungsgerechtigkeit schlug AJA-Geschäftsführer Jan Schütte den Bogen zum langfristigen individuellen Schüleraustausch. „Auch wir beobachten strukturelle Schieflagen. Es gibt zu wenig Schüler*innen aus nicht-gymnasialen Schulformen, obwohl das Interesse vorhanden ist. Oftmals trauen ihnen aber Lehrkräfte und Schulleitungen nicht zu, einen Austausch zu schaffen. Und dann gibt es auch noch finanzielle Hürden für manche Familien.“ In diesem Kontext machte Jan Schütte auf das Hamburger Modell aufmerksam. Die Schulbehörde fördert halb- oder einjährige Auslandsaufenthalte mit Zuschüssen.

Volker Schebesta (MdL, CDU), Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg sagte dazu: „Es ist eine gute und schlechte Zeit für mehr Schüler- und Jugendaustausch. Gut, weil wir gerade in diesen politisch bewegten Zeiten mehr internationale Verständigung denn je brauchen. Schlecht wegen der Engpässe im Landeshaushalt.“

Und noch einen Ball in der Diskussion nahm Jan Schütte auf: die abnehmende Bereitschaft, als Gastfamilie aktiv zu werden. In Deutschland verzeichnen auch die AJA-Mitgliedsorganisationen seit Jahren einen Rückgang des Engagements. Genau deshalb hat der AJA im Juni seine Kampagne „Offene Türen, offene Herzen – Austausch braucht Gastfamilien“ gestartet und sucht Botschafter*innen aus Politik und Kommunen, die mehr Sichtbarkeit für das große ehrenamtliche Engagement von Gastfamilien sorgen.