Auslandsaufenthalte: Große Offenheit, aber besondere Hürden für junge Menschen in Deutschland
Junge Menschen in Deutschland stehen Auslandsaufenthalten grundsätzlich offen gegenüber. Im europäischen Vergleich zeigen sich jedoch besondere Hürden und Unterschiede. Das zeigt die Deutschland-Auswertung des Eurodesk Youth Information Survey 2025 mit über 7.000 Befragten europaweit, darunter rund 1.800 aus Deutschland.
Großes Interesse an Auslandserfahrungen
Die Ergebnisse zeigen, dass junge Menschen in Deutschland großes Interesse an Auslandsaufenthalten haben. Besonders häufig werden Reisen, Praktika, Arbeit oder Studium im Ausland genannt. Bevorzugt werden Aufenthalte von drei bis sechs Monaten, die vor Ort und nicht digital stattfinden.
Von den befragten Jugendlichen, die in den Jahren 2022 und 2023 eine Auslandserfahrung gemacht haben, nahmen 33 % an einem Schüleraustausch teil. Damit liegt Deutschland deutlich über dem europäischen Durchschnitt.
Wirkung von Austauscherfahrungen
Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass junge Menschen in Deutschland zwar den Bildungswert eines Auslandsaufenthalts hoch einschätzen, gleichzeitig jedoch weniger Vorteile für ihr persönliches und berufliches Leben sehen als Jugendliche in anderen Ländern.
Die Jugendlichen, die 2022 oder 2023 im Ausland waren, wurden auch nach der Wirkung des Auslandsaufenthalts gefragt. 96 % gaben an, dass sie durch den Auslandsaufenthalt ein größeres Bewusstsein für andere Kulturen und Werte bekommen haben. Weiterhin gaben 93 % der Jugendlichen an, dass auch ihr Selbstbewusstsein und ihre Offenheit durch die Auslandserfahrung gestiegen sind. Interessant ist dabei der Vergleich mit den Erwartungen der Jugendlichen im Vorfeld: Hier gaben 99 % der Befragten an, vor allem Spaß und eine neue Erfahrung zu erwarten.
Informationsquellen
Ein zentraler Teil der Studie beschäftigt sich mit Informationsquellen. Wichtigste Informationsquelle ist die allgemeine Internetrecherche. Danach folgen Familie, Freundeskreis, soziale Medien sowie Schulen und Universitäten. Besonders häufig genutzt werden Instagram, TikTok und YouTube. Plattformen wie Facebook, X oder LinkedIn spielen dagegen kaum noch eine Rolle.
Hürden für Jugendliche
Die Studie zeigt auch, dass viele Jugendliche Schwierigkeiten mit dem Zugang zu Informationen und Programmen haben. Zwar nutzen die meisten das Internet zur Recherche, doch klassische Beratungsangebote wie Jugendinformationszentren, Europe Direct oder EURES werden in Deutschland vergleichsweise wenig genutzt. Dadurch fehlen vielen Jugendlichen persönliche Beratung und Orientierungsmöglichkeiten.
Ein wichtiger Faktor sind auch Klimaschutzbedenken. Deutsche Jugendliche äußern deutlich häufiger als junge Menschen aus anderen europäischen Ländern Sorgen über die Auswirkungen von Reisen auf das Klima. 41 % geben an, dass sie dies vom Auslandaufenthalt eher abschreckt.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen, dass Informations- und Beratungsangebote in Deutschland stärker auf die konkreten Bedenken junger Menschen eingehen sollten.
Zudem spielt die Familie eine zentrale Rolle bei Informationssuche, Entscheidungsfindung und Bewerbung. Vor diesem Hintergrund sollten Informationsangebote sich auch an diese Zielgruppe wenden.
Einordnung der Ergebnisse
Die dargestellten Ergebnisse basieren auf der Deutschland-Auswertung des Eurodesk Youth Information Survey 2025. Die zugrunde liegende Online-Befragung wurde zwischen Oktober und November 2024 in 36 europäischen Ländern durchgeführt. Ergänzend zur europaweiten Analyse wurden spezifische Vergleiche zwischen deutschen und internationalen Jugendlichen vorgenommen.
Eurodesk Deutschland hat den Youth Info Survey für Deutschland im europäischen Vergleich veröffentlicht. Dieser ist auf Englisch im Bestellservice verfügbar.