Recht im Schüleraustausch

Hier werden die allgemeinen Rahmenbedingungen und rechtlichen Aspekte im Schüleraustausch dargelegt, Hinweise zu weiterführender Literatur gegeben sowie eine Auswahl an Literatur vorgestellt.

Rahmenbedingungen

Langfristige Schüleraustauschprogramme für deutsche Schülerinnen und Schüler unterfallen dem deutschen Pauschalreiserecht und seit 1.9.2001 dem speziellen §651 l BGB „Gastschulaufenthalte“ (PDF).
Danach muss der Veranstalter Vorauszahlungen durch Ausgabe eines Sicherungsscheines gegen Insolvenzrisiken absichern. Er muss für eine angemessene Unterbringung in einer Gastfamilie sorgen und die Voraussetzungen für einen geregelten Schulbesuch schaffen. Weitere Leistungen werden häufig vertraglich vereinbart. Wird eine Gastfamilie nicht mindestens zwei Wochen vor Abreise mitgeteilt, so kann der Vertrag kostenlos storniert werden.
Der Gastschüler ist verpflichtet, an dem Gelingen des Aufenthaltes mitzuwirken. Eltern und ggf. auch Gastschüler haben im Fall nicht ordnungsgemäßer Leistungen (Gastfamilie, Schule, Betreuung usw.) das Recht, Abhilfe zu verlangen, ggf. auch den Vertrag vorzeitig zu kündigen. Es können zudem Minderungs- und Schadenersatzansprüche entstehen, die innerhalb eines Monats nach vorgesehener Rückkehr gegenüber dem Veranstalter geltend zu machen sind. Dabei haftet der deutsche Veranstalter regelmäßig für seine ausländische Partnerorganisation, nicht aber für Mitglieder der Gastfamilie oder Mitarbeiter der Schule.
Eltern und ggf. auch Gastschüler können den Vertrag jederzeit kündigen, und haben dann Anspruch auf Rückerstattung der ersparten Aufwendungen.
Die Rolle deutscher Gastfamilien im Rahmen langfristiger Austauschprogramme ist gesetzlich nicht geregelt. Es gelten im Wesentlichen die Absprachen mit dem Veranstalter des Austauschprogramms.

Literaturauswahl

Klein, Stefan: Die Anerkennung von im europäischen Ausland verbrachten Gastschuljahren. In: Forum Jugendarbeit International 2004/05 – Jugendmobilität in Europa. Hg. vom IJAB. Bonn 2005. S.143-154.
In seinem Beitrag fasst der Jurist Stefan Klein die Anerkennungspraxis bei Auslandsschuljahren in verschiedenen deutschen Bundesländern zusammen und prüft deren Kongruenz mit den Zielsetzungen des europäischen Rechts.

Klein, Stefan: Rechtshandbuch Schüleraustausch. Die Praxis des Gastschulaufenthaltes und ähnlicher Verträge. Münster: LIT-Verlag, 2004. ISBN 3-8258-7240-8, 240 S.
Das Handbuch erklärt – von der Auswahl bis zur Nachbereitung – die rechtlichen Grundlagen des 651 1 BGB, dem Recht zum Gastschulaufenthalt. Die Erläuterungen gelten ähnlich für Sprachreisen, Au-Pair Programme und Internatsaufenthalte.

Klein, Stefan: Schüleraustausch. München: dtv, 2004. ISBN 3-423-58079-8, 204 S.
Ob Kurzaufenthalt oder Gastschuljahr: Der Schüleraustausch ist als Bestandteil einer umfassenden Ausbildung eine immer wichtigere Erfahrung. Unter Berücksichtigung des Rechts zum Gastschulaufenthalt informiert der Jurist Stefan Klein über Rechte und Pflichten beim Schüleraustausch. Der Ratgeber begleitet den Leser anhand von Beispielfällen, Übersichten und Mustertexten von der Auswahl des Veranstalters bis zur Rückkehr des Schülers.

Klein, Stefan: Neues zum Gastschulaufenthaltsrecht. In: ReiseRecht aktuell (RRa). Zeitschrift für das Tourismusrecht. Heft 1/2008. (Hier als PDF)
In diesem Aufsatz bespricht der Autor im Anschluss an den Aufsatz in RRa 2004 (s.u.) nach wie vor offene rechtliche Fragen des Gastschulaufenthaltes. Er erläutert dabei die rechtliche Entwicklung in den vergangenen Jahren. Insbesondere geht es um zulässige Rücktrittsgründe des Veranstalters, um das Leistungsbestimmungsrecht des Veranstalters, um verschiedene Mängel beim Gastschulaufenthalt und um den Anspruch auf Erstattung ersparter Aufwendungen.

Klein, Stefan: Reiserechtliche Besonderheiten des Gastschulaufenthaltes. In: ReiseRecht aktuell (RRa). Zeitschrift für das Tourismusrecht. Heft 02/04.
Weil der Gesetzgeber 2001 den Gastschulaufenthalt dem deutschen Pauschalreiserecht unterworfen hat, ergeben sich Wertungswidersprüche. Ein Austauschjahr hat mit einer Pauschalreise nicht viel gemein. Der Autor stellt rechtliche Besonderheiten des Gastschulaufenthalts gegenüber dem allgemeinen Pauschalreiserecht dar, die sich aus der fehlenden Anwendbarkeit der (auch dem deutschen Recht zugrunde liegenden) europäischen Richtlinie und einer fehlenden typologischen Vergleichbarkeit von Gastschulaufenthalt und Pauschalreise ergeben. Beide Gesichtspunkte führen zu Modifikationen des Pauschalreiserechts für den Gastschulaufenthalt.

Pohar, Michael A. / Sendmeyer, Stefanie: Ferienlager, Vereinsfahrten und Gastschul-Aufenthalte als Gegenstände des Pauschalreiserechts. In: ReiseRecht aktuell (RRa). Zeitschrift für das Tourismusrecht. Heft 06/04.
Die Autoren stellen u.a. Besonderheiten des Gastschulaufenthaltes gegenüber dem Pauschalreiserecht dar. Sie beschäftigen sich dabei insbesondere mit dem Lösungs- oder Rücktrittsrecht des Veranstalters und begründen, warum ein zusätzliches Lösungsrecht z.B. für den Fall nicht besteht, dass der Veranstalter nicht genügend Gastfamilien oder keine Gastfamilie für einen speziellen Schüler findet.