Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II

(Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 07.07.1972 i.d.F. vom 02.06.2006/24.10.2008/07.02.2013)

Am 2. Juni 2006 verabschiedete die Kultusministerkonferenz die neue Vereinbarung zur gymnasialen Oberstufe, die auch für die Einführung des „Abiturs in 12 Jahren“ Gültigkeit hat. Der Beschluss sieht vor, dass Auslandsaufenthalte während der Schulzeit in der Oberstufe bis zur Dauer eines Jahres anerkannt werden können.

Die Vereinbarung beruht auf Einstimmigkeit aller Bundesländer und ist für diese bindend. Die spezifische Ausgestaltung des Beschlusses obliegt jedoch den einzelnen Ländern, die seither entsprechende Umsetzungsrichtlinien erlassen haben oder noch dabei sind, diese zu erlassen. Der Beschluss muss in den Ländern spätestens für die Schülerinnen und Schüler umgesetzt sein, die 2011 in die Qualifikationsphase (also in die Klasse 11) eintreten.

Die entscheidenden Passagen des Beschlusses im Wortlaut:

„6. Verweildauer in der gymnasialen Oberstufe
6.1 Die Verweildauer beträgt mindestens zwei, höchstens vier Jahre; sie kann um den für die Wiederholung einer nicht bestandenen Abiturprüfung erforderlichen Mindestzeitraum von einem halben oder einem Jahr überschritten werden. Ein Auslandsaufenthalt wird auf die Verweildauer nicht zulasten der Schülerin/des Schülers angerechnet.
(…)
6.4 Ein Auslandsaufenthalt bis zur Gesamtdauer eines Jahres kann auf den Bildungsgang angerechnet werden, wenn entsprechende Leistungen nachgewiesen werden und die erfolgreiche Fortsetzung des Bildungsgangs erwartet werden kann.“

Quelle: „Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II„, Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 07.07.1972 i.d.F. vom 07.02.2013.

Erläuterungen

Welche Jahrgangsstufen umfasst (in Zukunft) die gymnasiale Oberstufe?

Zur Grundstruktur der gymnasialen Oberstufe gehört die Gliederung in eine einjährige Einführungsphase und eine zweijährige Qualifikationsphase. Die Dauer der Schulzeit bis zur Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife beträgt 12 oder 13 Jahre. Entsprechend gilt folgende Gliederung:

Dauer der Schulzeit/
Gliederung der
Jahrgangsstufen

12 Jahre bis zum Abitur

13 Jahre bis zum Abitur

Oberstufe Klasse 10 bis 12 Klasse 11 bis 13
Einführungsphase Klasse 10 Klasse 11
Qualifikationsphase Klasse 11 und 12 Klasse 12 und 13
Mittlerer Schulabschluss nach Klasse 10 nach Klasse 10

Bei einer Schulzeit von 13 Jahren bis zum Abitur entspricht Klasse 11 der Einführungsphase. In den meisten Bundesländern wurde/wird die Anerkennung von Auslandsaufenthalten bis zur Gesamtdauer eines Jahres in dieser Jahrgangsstufe ermöglicht (i.d.R. auf Antrag und durch individuelle Entscheidung des Schulleiters oder des zuständigen Schulamtes).
Mit der Einführung des „Abiturs in 12 Jahren“ fällt diese Jahrgangsstufe gewissermaßen weg, und die Klasse 10 übernimmt eine Doppelfunktion: Sie führt – wie bislang auch – zum Mittleren Schulabschluss; gleichzeitig stellt sie aber auch die Einführungsphase für das mit Klasse 11 beginnende Kurssystem zum Abitur dar.
Neu ist auch, dass der Mittlere Schulabschluss nun – zumindest in einigen Bundesländern – mit Ablegen einer zentralen Prüfung am Ende der Klasse 10 erreicht werden muss. Die Jahrgangsstufen 11 und 12 (wie bislang 12 und 13) stellen die Qualifikationsphase dar. Alle in diesen letzten vier Halbjahren erbrachten Leistungen fließen in die Gesamtbewertung des Abiturs ein.

Welche Schultypen sind von der Einführung des „Abiturs in 12 Jahren“ betroffen?

Von der Schulzeitverkürzung von 13 auf 12 Schuljahre sind nur die allgemein bildenden (normalen) Gymnasien betroffen und nur teilweise die kooperativen Gesamtschulen. Alle anderen Schultypen, die zum Abitur führen, bleiben bei 13 Schuljahren (z.B. integrierte Gesamtschulen, Aufbaugymnasien, berufliche Gymnasien, Kollegs, Abendgymnasien, Wirtschaftsgymnasien, technische Gymnasien, Musik- und Sportgymnasien). Bis auf Rheinland-Pfalz haben alle Bundesländer die politischen Weichen so gestellt, dass die Allgemeine Hochschulreife (in Zukunft) nach 12 Schuljahren erreicht wird.

Welche Schuljahre sieht der Beschluss für eine Anerkennung vor?

Der Beschluss bezieht sich auf die gymnasiale Oberstufe, d.h. bei 13 Schuljahren auf die Klassen 11 bis 13; bei „Abitur in 12 Jahren“ ist er gültig für die Klassen 10 bis 12. Die Bundesländer, die ein Abitur in 12 Jahren vorsehen, können also Umsetzungsrichtlinien erlassen, die eine Anerkennung in Klasse 10 oder 11 ermöglichen (eine Anerkennung in Klasse 12 ist unwahrscheinlich, da diese mit der Abiturprüfung abschließt). Wie die Schulabteilung der KMK bekannt gab (Pressemitteilung vom 2. Juni 2006), ist eine Anerkennung auch während der Qualifikationsphase, also in den letzten 4 Schulhalbjahren, ausdrücklich gewünscht!
AJA und seine Mitglieder begrüßen den Beschluss der KMK, da er die Bedeutung von Auslandsaufenthalten und interkulturellem Lernen als Bestandteil der schulischen Ausbildung in Deutschland ausdrücklich unterstreicht. AJA setzt sich daher im Dialog mit den Bundesländern dafür ein, dass Umsetzungsrichtlinien erlassen werden, die eine unkomplizierte Anerkennung – vor allem auch in Klasse 11 – ermöglichen.

Wann ist eine Anerkennung möglich?

Schülerinnen und Schüler, die eine Anerkennung anstreben, müssen entsprechende Leistungen nachweisen und eine erfolgreiche Fortsetzung des Bildungsgangs erkennen lassen. Was „entsprechende Leistungen“ bedeutet, und wann eine „erfolgreiche Fortsetzung des Bildungsgangs“ erwartet werden kann, muss ebenfalls noch von den Ländern bei der Ausgestaltung des Beschlusses definiert werden.

Was bedeutet „Verweildauer in der gymnasialen Oberstufe“?

Schülerinnen und Schüler dürfen nicht mehr als vier Jahre benötigen, um die dreijährige gymnasiale Oberstufe zu absolvieren. In den Klassen 10 bis 12 (bzw. 11 bis 13) ist also nur die Wiederholung eines Schuljahres möglich. Sollte die Anerkennung eines Auslandsschuljahres in der gymnasialen Oberstufe nicht möglich sein, muss also die oder der Jugendliche das Jahr „einschieben“, so wird dieses nicht auf die Verweildauer angerechnet (d.h. der/die Schüler/in dürfte also trotzdem noch ein weiteres Schuljahr wiederholen).