Schüleraustausch ist nicht gleich Schüleraustausch

im Bild v.l.n.r.: Dr. Claus Kunze (DFH), Klaus Krimmel (AJA), Dr. Michael Eckstein (Bürgerstiftung Ahrensburg), Sylvia Schill (schueleraustausch.de), Thomas Terbeck (weltweiser.de)

AJA-Mitglied YFU veranstaltet Podiumsdiskussion mit Experten

Dass der Begriff „Schüleraustausch“ unterschiedlich interpretiert werden kann, wurde bei einer Podiumsdiskussion am 30. April 2010 deutlich. Erwartungen an und Ziele für ein Schuljahr im Ausland sind häufig nicht nur bei Eltern, Schülerinnen und Schülern sehr verschieden, sondern auch bei der Gewichtung innerhalb der über 70 vermittelnden Organisationen in Deutschland.

Wie können sich Jugendliche, Eltern und Lehrer gezielt über das Angebot von Schüleraustauschprogrammen informieren? Wie kann man verschiedene Anbieter vergleichen und was macht gute Qualität aus? Im Rahmen des YFU-Bundestreffens auf Burg Rothenfels diskutierten fünf Experten diese Fragen.

Auf dem Podium vertreten waren zum einen die beiden Repräsentanten der Verbände im Schüleraustausch, Dr. Claus Kunze vom Deutschen Fachverband High School e.V. (DFH), einem Zusammenschluss zwölf kommerzieller Anbieter, und Klaus Krimmel vom Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustauschorganisationen (AJA) mit sechs Mitgliedern.

Zu anderen waren die Marktbeobachter Dr. Michael Eckstein von der Bürgerstiftung Ahrensburg (www.schueleraustausch-portal.de), Sylvia Schill (Ratgeber „Ein Schuljahr in den USA und weltweit“,www.schueleraustausch.de) und Thomas Terbeck (Ratgeber „Handbuch Fernweh“, www.weltweiser.de) der Einladung gefolgt. Knut Möller, der Geschäftsführer von YFU, moderierte die Diskussion.

Völkerverständigung oder Schulwahlprogramm?

In der Diskussion wurde schnell deutlich, das nicht nur die Organisationen, sondern oftmals auch die Jugendlichen und ihre Eltern unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was Qualität im Schüleraustausch bedeutet. Wie Klaus Krimmel betonte, stehen bei den AJA-Organisationen das Erleben einer anderen Kultur und der Beitrag zur Völkerverständigung im Vordergrund. Jugendliche müssen bereit sein, sich im Austauschjahr auf etwas völlig Neues, Unbekanntes einzulassen. Hier ist es selbstverständlich, dass Gastfamilien für ihre Teilnahme am Programm keine Bezahlung erhalten.

Dr. Claus Kunze hielt dem entgegen, dass es für manche Eltern sogar ein positives Kriterium sein kann, wenn Gastfamilien – wie bei vielen Programmen kommerzieller Organisationen – bezahlt werden. Laut Sylvia Schill gibt es neben den AJA-Teilnehmern auch Jugendliche, die das Programm der eigenen Bildungsbiographie anpassen möchten und denen es daher wichtig ist, die Schule und die Freizeit­möglichkeiten im Ausland auswählen zu können. Thomas Terbeck war der Meinung, dass solche Schulwahlprogramme etwa für Hochleistungssportler und künstlerisch begabte Jugendliche besser geeignet sind. Claus Kunze gab zu bedenken, dass die Wahl der Schule keine Garantie für ein gelungenes Austauschjahr darstellt.

Qualität ist mehr als zufriedene „Kunden“

Einig waren sich alle, dass für die Qualität eines Programms unter anderem eine persönliche Auswahl, eine ausführliche Vor- und Nachbereitung, eine gute Betreuung im Ausland sowie Transparenz bei Kosten und Leistungen ausschlaggebend sind. Laut Dr. Michael Eckstein haben gemeinnützige Vereine wie YFU gute Qualität, da sich viele Ehrenamtliche mit Überzeugung und Erfahrung beteiligen. Thomas Terbeck merkte an, Gemeinnützigkeit allein sei noch kein Qualitätsmerkmal.

Klaus Krimmel störte sich daran, dass bei vielen kommerziellen Organisationen gelte, „Qualität ist, wenn der Kunde zufrieden ist“. Ratgeber sollten daher nicht nur die Organisationen alphabetisch auflisten, sondern auch auf die unterschiedlichen Programmziele hinweisen.

Abschließend dankte Knut Möller den Vertretern auf dem Podium und lud alle Anwesenden dazu ein, die Diskussion über Qualität im Schüleraustausch gemeinsam fortzusetzen.

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