Nicht nur Jugendliche werden mobil

Internationale Bildungskonferenz „Moving Beyond Mobility“ für Forscher und Praktiker in Berlin

eyid_de„Jugendaustausch“ bedeutet mittlerweile mehr als allein die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen. Mit dem Thema Jugendaustausch werden heute zahlreiche Konzepte und Visionen wie persönliche Entwicklung, interkulturelle Kompetenz und Förderung gesellschaftlicher Integration und Toleranz verknüpft.

Die heutige Mobilität unserer Gesellschaft und die damit verbundene kulturelle Verflechtung, die jährlich tausende von Austauschschülern selbst erleben, ist somit längst auch zum Thema der Forschung geworden.

Seit Jahren widmet sie sich sowohl der empirischen Überprüfung der propagierten Lang- und Kurzzeitwirkungen des Jugendaustauschs als auch der methodischen Optimierung des Jugendaustauschs in Bezug auf verschiedene Programmarten und -praktiken. Die Ergebnisse der Forschungen sind bisher jedoch im nationalen Kontext verblieben.

Im Rahmen des 60-jährigen Jubiläums von AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. findet am 13. und 14. Oktober 2008 eine Bildungskonferenz in Berlin statt, die diese bisher national verstreuten Studien und Forschungsprojekte erstmalig in einem internationalen Rahmen zusammenträgt.

Unter der Schirmherrschaft von Ján Figel, EU Komissar für Bildung, Kultur und Jugend, veranstaltet AFS die zweitägige Konferenz für Forscher, Praktiker und Politiker zusammen mit EFIL (European Federation of Intercultural Learning, Brüssel/Belgien) und IDRI (The Intercultural Research Institute, Milan/Italy). Kooperationspartner sind der AJA, AFS Intercultural Programmes (New York/USA) und die Friedrich Schiller-Universität Jena.

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Die Bildungskonferenz bietet die Möglichkeit, Forschungsergebnisse und erfolgreiche Praxisbeispiele über die nationalen Grenzen hinaus vorzustellen und im internationalen Zusammenhang zu positionieren. Unter den Aspekten „Research“ und „Best Practice“ werden zahlreiche Präsentationen und Diskussionsrunden nicht nur Wirkungsweisen und Erfolge des Jugendaustauschs vorstellen, sondern auch aktiv zur Überwindung bisheriger nationaler und internationaler Hindernisse beitragen.

Das vielfältige Spektrum der Konferenz umfasst dabei sowohl theoretische Modelle wie „A collated model of intercultural worldviews“, länderspezifische Befunde wie „African eyes on intercultural encounters“ als auch praktische Erfahrungsberichte wie „Promoting intercultural education through intercultural classrooms“. Insofern ist die Bildungskonferenz interdisziplinär und interkulturell angelegt und bietet den Forschern eine optimale Plattform zur internationalen Vernetzung und Kooperation.

Im Rahmen der Qualitätsoptimierung des Jugendaustauschs, für die der AJA sich seit seiner Gründung einsetzt, bilden nicht nur die empirischen Befunde der Wirkungsforschung eine wesentliche Grundlage. Es ist insbesondere die Bereitschaft zur internationalen Kooperation, die der AJA für eine effektive Verbesserung des Jugendaustauschs als unerlässlich ansieht. Denn der Jugendaustausch kann nicht eine nationale Angelegenheit bleiben bzw. lediglich als Teil der nationalen Kulturpolitik angesehen werden, wenn er tatsächlich sein ganzes Potential – nämlich als ein Mittel der weltweiten Friedenssicherung – entfalten soll. Indem der Jugendaustausch aktiv den interkulturellen Dialog und Austausch der Kulturen fördert, ist er ein Thema für die internationale Politik.

Die Europäische Kommission unterstützt daher die Bildungskonferenz als Teil des „Europäischen Jahres des interkulturellen Dialogs 2008″. Europaweit unterstützt die Kommission in diesem Jahr Projekte und Programme in den Mitgliedstaaten, die gute Praxisbeispiele hervorheben und weiteren Handlungsbedarf aufzeigen, um die Vielfalt Europas im interkulturellen Dialog zu fördern. Auch weltweit hat die UNESCO bereits nach den Anschlägen auf die USA am 11. September 2001 in einer „Allgemeine Erklärung zur kulturellen Vielfalt“ (2001) Position bezogen und mit dem Credo „The cultural wealth of the world is its diversity in dialogue“ (Generaldirektor Koïchiro Matsuura) zum interkulturellen Dialog aufgefordert.

Im Sinne dieser gemeinsamen europa- und weltweiten politischen Zielsetzung kann der Jugendaustausch einen wertvollen Beitrag für eine in Zukunft friedlichere und tolerantere Welt leisten, die befähigt wird, der fortschreitenden Globalisierung mit interkultureller Sensibilität und Kompetenz zu begegnen. Diese Leistung anzuerkennen wird vom AJA immer wieder eingefordert. Sie kann – und muss – jedoch durch die Förderung und Weiterentwicklung des Jugendaustauschs und den mit ihm verbundenen Richtlinien und Qualitätskriterien mit Hilfe von internationalen Kooperationen sowohl in der Forschung als auch in der Politik gesichert und weiter entfaltet werden. Die Einbeziehung des Jugendaustauschs in die Tätigkeitsfelder international agierender Organisationen wie der EU, aber auch der UNESCO ist somit langfristig eine logische Konsequenz der gesellschaftlichen Globalisierung.

Die international angelegte und durch die EU Komission anerkannte Bildungskonferenz stellt für den AJA damit eine beispielhafte Kooperation dar. Denn durch die Zusammenarbeit von Forschern und Praktikern des Jugendaustauschs weltweit kann auch eine geeignete empirische Basis für eine gemeinsame politische Zusammenarbeit gelegt werden. Die Mobilität der jugendlichen Teilnehmer am Austausch ist schließlich bedingt durch die Bereitschaft sowohl der Forscher als auch der Politik, selbst über nationale Grenzen hinaus „mobil“ zu werden und gemeinsam den Jugendaustausch zu gestalten und auszubauen.

Ausführliche Informationen zum Konferenzprogramm finden sie auf der Jubiläumsseite des AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. oder unter www.movingbeyondmobility.org.

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