Beispielhafte Kooperation stärkt Schüleraustausch in Sachsen – Sächsische Schüler profitieren

Im Sommer 2006 löste die Kultusministerkonferenz (KMK) mit ihrem Beschluss, auch beim Abitur in 12 Jahren zukünftig bundesweit eine Anerkennung von Auslandsschuljahren auf den Bildungsgang der gymnasialen Oberstufe in Deutschland zu ermöglichen, in vielen Ländern ein zähes Bemühen um die landesspezifische Interpretation aus.

Coat_of_arms_of_Saxony.svg-1In Sachsen kam es im Zuge dieser Überlegungen zu einer beispielhaften Kooperation zwischen dem Sächsischen Kultusministerium, der sächsischen Bildungsagentur und dem AJA. Der gemeinsamen Zusammenarbeit ist es nun zu verdanken, dass Sachsens Schüler ab dem 1. August 2008 von den bundesweit bisher progressivsten Neuregelungen des 12-jährigen Abiturs profitieren können.

In der Kooperation wurden drei Bausteine entwickelt, die alte Einschränkungen aufheben, neue Möglichkeiten eröffnen und durch ihre zukunftsorientierte Ausrichtung den Jugendaustausch auch langfristig in Sachsen fördern.

Grundlegend sind dabei zunächst die vom Kultusministerium neu geschaffenen Richtlinien. In einer völligen Umgestaltung der bisherigen gymnasialen Schulordnung ist es den Schülern Sachsens in Zukunft möglich, sich einen Auslandsaufenthalt von bis zu einem Jahr in der Jahrgangsstufe 10 sowie in der 10/2 bzw. 11/1 auf den Bildungsgang in Deutschland anrechnen zu lassen. Ebenfalls ist eine Unterbrechung der Qualifikationsphase (Jahrgangsstufen 11 und 12) neuerdings in Sachsen zulässig und eröffnet den Schülern flexiblere Möglichkeiten für einen Auslandsaufenthalt.

Sachsen ist damit eins der ersten Bundesländer, das das Bemühen des AJA um ein verbessertes Anerkennungsverfahren effektiv in seine Bildungspolitik integriert hat. Damit legt Sachsen den Grundstein dafür, den Jugendaustausch nicht nur für die Schüler selbst attraktiver zu gestalten, sondern den Austausch auch grundsätzlich in seiner Bedeutung aufzuwerten.

Auslandsaufenthalte ermöglichen den Schülern, sich ihrer eigenen kulturellen Prägung und gesellschaftlichen Rolle bewusst zu werden, und fördern somit langfristig bürgerliches Engagement und die Öffnung der Gesellschaft zugunsten von interkultureller Toleranz und Integration. Sowohl für die persönliche und berufliche Qualifikation des Schülers als auch für die auswärtige Kulturpolitik des Landes ist die Förderung des Jugendaustauschs eine wertvolle Investition. Seit Herbst 2007 haben das Sächsische Kultusministerium, die Bildungsagentur und der AJA gemeinsam an dieser Zielsetzung gearbeitet.

Um betroffene Schüler, Eltern und Lehrer umfassend über die neuen Bedingungen und Möglichkeiten im Jugendaustausch aufzuklären, wurden im Rahmen der Kooperation zwei Formen der Informationsveranstaltung ins Leben gerufen, die künftig jeweils von den drei Partnern gemeinsam veranstaltet werden.

In fünf Regionen in Sachsen finden dieses Jahr zum einen erstmalig „Märkte der Möglichkeiten“ für Schüler, Eltern und Lehrer statt. Im Juni und Juli hatten die Teilnehmer aus den Regionen Reichenbach, Dresden, Chemnitz und Bautzen bereits die Möglichkeit, sich durch verschiedene Vorträge eine erste Orientierung im Jugendaustausch zu verschaffen und an Informationsständen ihre individuellen Fragen direkt an ehemalige Austauschschüler und Mitarbeiter der AJA-Organisationen zu richten. Interessierte Schülerinnen und Schüler konnten in ca. einstündigen Workshops zu verschiedenen Themen des Interkulturellen Lernens auch selbst aktiv werden. Die „Märkte der Möglichkeiten“ wollen allen Teilnehmern so wesentliche Aspekte des Jugendaustauschs umfassend und anschaulich vermitteln. Ausführliche Information zum Programm gibt der gesonderte Artikel zum diesjährig letzten Markt der Möglichkeiten, der am 24. September in Leipzig stattfindet und zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

Der Schüleraustausch kann jedoch nicht nur einseitig durch die Politik und entsprechende Richtlinien gestützt werden, sondern muss insbesondere in den Schulen konkret gefördert werden. Dazu organisieren die Sächsische Bildungsagentur und der AJA neben den „Märkten der Möglichkeiten“ derzeit eine Fachtagung zum interkulturellen Schüleraustausch, die sich speziell an Lehrkräfte aller Fachrichtungen, mit und ohne Erfahrung im Austausch, sowie an Multiplikatoren aus den Bereichen Bildung und Erziehung richtet. Neben der Bekanntgabe der neuen politischen Richtlinien steht dabei die pädagogische Positionierung des Schüleraustauschs im Vordergrund. Zu diesem Zweck soll insbesondere die Langzeitwirkung von Auslandsaufenthalten akzentuiert werden. Denn der Jugendaustausch fördert die Ausbildung interkultureller Sensibilität, die neben der Sprachfertigkeit insbesondere heutzutage zum festen Bestandteil der Bildungsbiografie jedes Schülers gehören sollte.

Über die Vermittlung der bildungspolitischen Leistung des Jugendaustauschs hinaus dient die Tagung den Teilnehmern auch als Plattform für Erfahrungsaustausch und Vernetzungsmöglichkeiten mit außerschulischen Akteuren, die neue Projekte initiieren und die Förderung des Jugendaustauschs damit erweitern möchte. Mit Unterstützung des Brücke-Most-Zentrums wird die Fachtagung unter dem Namen „Interkultureller Schüleraustausch. Zukunft und Bildungspotentiale“ am 10. November 2008 in Dresden stattfinden. Alle Interessierten sind auch hierzu herzlich eingeladen und werden zu gegebener Zeit auf der AJA Homepage genauer über die Tagung informiert. Sie bildet den Auftakt zu einer Reihe von Fachkonferenzen, die sich in Zukunft jedes Jahr einem bestimmten Aspekt des Jugendaustauschs widmen möchten.

Sowohl die „Märkte der Möglichkeiten“ als auch die Reihe der Fachkonferenzen sind als jährliche Projekte der Sächsischen Bildungsagentur und des AJA konzipiert, denn die Kooperation zielt letztlich nicht auf die kurzfristige, sondern auf die dauerhafte Förderung und Aufwertung des Jugendaustauschs in Sachsen. Diese Aufwertung muss, wie es in Sachsen geschehen ist, auf einer interdisziplinären Ebene vollzogen werden: denn die Stellung des Jugendaustauschs bedingt sich nicht nur durch die Arbeit einer einzelnen Organisation, sondern letztlich durch den Grad seiner Qualität, seiner politisch-rechtlichen Verankerung und durch die gesamtgesellschaftlichen Unterstützung.

In einer einmaligen Verbindung von interkulturell ausgerichteter Bildungs- und erfolgsversprechender Informationspolitik stellt die Zusammenarbeit von Kultusministerium, Bildungsagentur und AJA damit eine Kooperation dar, von der schließlich Sachsens Schüler, Eltern und Lehrer in Zukunft profitieren.

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